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Europe Direct Vilstal ist tief in der Region Niederbayern verwurzelt. Wir übersetzen europäische Politik in regionale Relevanz und schaffen echte Teilhabe für alle Bürgerinnen und Bürger.
Unsere Aufgaben
Als Europe Direct Vilstal bieten wir eine breite Palette an Angeboten, die Europa greifbar und erlebbar machen – für alle Altersgruppen und Interessensbereiche.
Information & Beratung
Sie haben Fragen zu Europa oder EU-Themen? Wir helfen Ihnen dabei, die richtige Anlaufstelle und die passenden Ansprechpersonen zu finden – egal ob zu Rechten, Programmen oder Institutionen.
Bildung & Veranstaltungen
Wir organisieren Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen EU-Themen – für Schulen, Vereine, Unternehmen und die breite Öffentlichkeit.
Vernetzung & Dialog
Wir schaffen Räume für den Dialog zwischen Bürgerinnen, Bürgern und europäischen Entscheidungsträgerinnen und fördern aktive Teilhabe.
EU-Förderung
Sie möchten wissen, welche EU-Förderprogramme für Ihre Gemeinde oder Ihren Verein relevant sein könnten? Wir geben eine erste Orientierung und vermitteln Sie an die zuständigen Beratungsstellen weiter.
Europa in der Region
Wir zeigen, wie EU-Politik den Alltag in Niederbayern konkret beeinflusst – von Agrarpolitik über Klimaschutz bis hin zu digitaler Infrastruktur.
Öffentlichkeitsarbeit
Wir kommunizieren europäische Themen verständlich und niedrigschwellig in die Region – über soziale Medien, Veranstaltungen und lokale Medien.
Blogbeiträge
Europa & Gesellschaft
Von Europe Direct Vilstal | 16. Juni 2026
63,4 von 100 Punkten. So bewertet das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) im aktuellen Gender Equality Index den Stand der Geschlechtergleichstellung in der EU. Der Index misst, wie gleichgestellt Männer und Frauen in sechs Lebensbereichen sind: Arbeit, Geld, Wissen, Zeit, Macht und Gesundheit – auf einer Skala bis 100, die vollständige Parität bedeuten würde.
63,4 klingt nach solider Mitte. Es bedeutet aber auch: Nach Jahrzehnten europäischer Gleichstellungspolitik ist das Ziel noch lange nicht erreicht.
Die größte Schwachstelle zeigt der Bereich Macht – mit 40,5 Punkten das Schlusslicht aller sechs Kategorien. In Europa entscheiden noch immer überproportional viele Männer, wie Gesetze gestaltet werden, wie Unternehmen geführt werden und wie öffentliche Mittel fließen. Dass das keine Naturgegebenheit ist, beweist der Vergleich zwischen den Mitgliedstaaten: Schweden erreicht 73,7 Punkte, Dänemark 71,8 – während Zypern bei 47,6 und Ungarn bei 51,6 liegt. Ausgerechnet beim Bereich Macht klaffen die Unterschiede zwischen den Ländern am weitesten auseinander.
Wie entstehen diese Unterschiede? Ein entscheidender Faktor ist die Verteilung von Sorgearbeit. Laut EIGE-Erhebung CARE 2024 passen Frauen ihre Arbeitszeiten häufiger als Männer an Care-Verpflichtungen an – Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt. Das schlägt sich in den Zahlen nieder: 28 Prozent der Frauen in der EU arbeiten Teilzeit, bei den Männern sind es 8 Prozent. Dieser Abstand hat sich seit 2009 kaum bewegt.
Wie groß diese Konsequenzen wirklich sind, zeigt sich erst Jahrzehnte später. Im Erwerbsleben verdienen Frauen im EU-Schnitt etwa 3 Prozent weniger als Männer. Im Rentenalter wächst er auf 11 Prozent. In Österreich steigt er von 3 auf 19 Prozent, in Estland von 1 auf 15. Hinter diesen Zahlen steckt ein strukturelles Muster: Wer über Jahrzehnte weniger verdient, seltener Vollzeit arbeitet und häufiger berufliche Pausen einlegt, erreicht den Ruhestand mit einer deutlich niedrigeren Rente. Die Rentenlücke ist die Endabrechnung eines ungleich verteilten Berufslebens.
Die Europäische Union begegnet diesen Befunden mit der Gender Equality Strategy 2026–2030, die unter anderem auf Lohntransparenz, bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie auf mehr Frauen in Entscheidungspositionen setzt.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Closing the gap: gender equality in Europe“, veröffentlicht am 22. April 2026 auf data.europa.eu.
Quellen: Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen – Gender Equality Index, eige.europa.eu | EIGE CARE Survey 2024 | data.europa.eu – „Closing the gap: gender equality in Europe“ | Eurostat – Teilzeitbeschäftigungsquoten nach Geschlecht, 2009–2024 | Europäische Kommission – Gender Equality Strategy 2026–2030, ec.europa.eu.
Arbeit & Wirtschaft
Von Europe Direct Vilstal | 11. Juni 2026
Wer in der EU am meisten verdient, arbeitet in Luxemburg im Bildungswesen oder in Dänemark in der Kultur. Das klingt überraschend, ist aber ein realer Befund aus den Eurostat-Daten, die data.europa.eu im November 2025 aufbereitet hat. Er verweist auf etwas Grundsätzliches: Der entscheidende Faktor beim Stundenlohn ist in Europa weniger die Branche als das Land. Für vergleichbare Tätigkeiten können die Durchschnittslöhne je nach Mitgliedstaat um mehr als den Faktor 10 auseinanderliegen.
Die Datenstory untersucht, in welchen Sektoren Europäerinnen und Europäer arbeiten, was sie verdienen und wie viel Urlaub sie bekommen. Zusammen ergibt sich ein Bild, das die Unterschiede innerhalb der EU deutlicher macht, als es viele EU-Debatten vermuten lassen.
Den größten Teil aller Beschäftigten in der EU verteilen sich auf vier Sektoren: Industrie und verarbeitendes Gewerbe (17 Prozent), Gesundheit und Sozialwesen (13 Prozent), Einzel- und Großhandel (13 Prozent) sowie Bildung (9 Prozent). Doch welcher Sektor dominiert, variiert stark. In Mittel- und Osteuropa sowie in Italien und den Balkanstaaten ist die Industrie der größte Arbeitgeber, was lange Traditionen in Fertigung und Export widerspiegelt. In den nordischen Ländern sowie in Frankreich und den Niederlanden führt das Gesundheits- und Sozialwesen, getragen von gut ausgebauten öffentlichen Sozialsystemen und einer alternden Bevölkerung. In Irland, Spanien und Zypern dominiert der Handel, in Griechenland das Gastgewerbe. Griechenland ist damit eine Ausnahme im EU-weiten Vergleich: In kaum einem anderen Mitgliedstaat stellt der Tourismus den größten Beschäftigungssektor.
Beim Lohn zeigt sich die eigentliche Varianz. Die meisten Europäerinnen und Europäer arbeiten in Sektoren, die mittlere Stundenlöhne zahlen: zwischen 18 und 25 Euro brutto bei rund 150 bis 170 bezahlten Stunden im Monat. Gastronomie, Reinigung, Bau und ähnliche Dienstleistungsbereiche liegen darunter, oft unter 20 Euro pro Stunde, häufig verbunden mit Schicht- oder Saisonarbeit. Finanz- und Versicherungssektor, IT, wissenschaftliche Dienstleistungen und Energiewirtschaft zahlen deutlich mehr, oft über 30 bis 35 Euro pro Stunde, beschäftigen aber vergleichsweise wenige Menschen.
Entscheidend für das tatsächliche Gehalt ist jedoch weniger die Branche als der nationale Kontext. Wer als Krankenpfleger in Luxemburg arbeitet, verdient strukturell ein Vielfaches im Vergleich zu einem Kollegen in Bulgarien. Diese Lohnunterschiede übersteigen in der EU die Unterschiede zwischen den Berufsfeldern erheblich.
Beim Urlaub ist das Bild etwas ausgeglichener. Das EU-Recht schreibt mindestens 20 Tage bezahlten Jahresurlaub vor. 19 der 27 Mitgliedstaaten halten sich an dieses Minimum, mehrere legen durch Tarifverträge etwas drauf. Einige gehen per Gesetz über die EU-Vorgabe hinaus und gewähren bis zu 28 Urlaubstage. Zählt man gesetzliche Feiertage dazu, führt Malta mit rund 42 freien Tagen pro Jahr, gefolgt von Dänemark und Deutschland mit jeweils rund 40 bis 41 Tagen. Bei Feiertagen ist allerdings Vorsicht geboten: Fallen viele davon auf Wochenenden, verringert sich die tatsächliche Anzahl freier Werktage, und ob ein Ersatztag gewährt wird, ist von Land zu Land verschieden.
Für Menschen in Niederbayern, die im Grenzbereich zu Österreich oder Tschechien arbeiten oder über Arbeit im EU-Ausland nachdenken, sind diese Unterschiede handfest. Gleiche Qualifikation, gleicher Beruf, aber je nach Standort ein grundlegend anderes Gehaltsniveau und andere Urlaubsansprüche. Die Daten zeigen nicht, was besser oder schlechter ist, aber sie machen sichtbar, wie verschieden Arbeitsleben in Europa aussehen kann.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Work Across the EU: Jobs, pay and time off“, veröffentlicht am 13. November 2025 auf data.europa.eu.
Quellen: Eurostat, Beschäftigung nach Sektoren 2022 | Eurostat, Bezahlte Arbeitsstunden und Bruttostundenlöhne nach Sektor 2022 | OECD und Eurofound, bezahlter Jahresurlaub und Feiertage nach Mitgliedstaat 2022.
Klima & Umwelt
Hier erscheinen in Kürze neue Beiträge zu diesem Thema. Schau bald wieder vorbei!
Gesundheit & Lebensqualität
Von Europe Direct Vilstal | 09. Juni 2026
44 Prozent der Menschen in der EU, die vor dem 75. Lebensjahr sterben, sterben an Ursachen, die durch Vorsorge oder rechtzeitige Behandlung vermeidbar gewesen wären. Prävention macht gleichzeitig nur 5,5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in der EU aus. Diese beiden Zahlen stehen nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu erklären.
Der Löwenanteil der Gesundheitsbudgets in der EU fließt in kurative und rehabilitative Versorgung: 51,9 Prozent. Medikamente und medizinische Güter kommen auf 17,8 Prozent, Langzeitpflege auf 16,2 Prozent. Prävention, also Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheitsaufklärung, rangiert mit 5,5 Prozent klar am Ende. Zwischen den Mitgliedstaaten gibt es dabei erhebliche Unterschiede: Deutschland investiert 8 Prozent seiner Gesundheitsausgaben in Prävention, Polen und die Slowakei kommen auf 2 Prozent, Malta auf 1 Prozent. Dass diese Quote nach 2020 kurzzeitig stieg, lag an den außergewöhnlichen Ausgaben für die Corona-Pandemie.
2022 starben 1,6 Millionen Menschen in der EU, bevor sie 75 Jahre alt wurden. Ein Drittel dieser Todesfälle gilt als unvermeidbar. Die restlichen zwei Drittel verteilen sich auf vermeidbare Ursachen (44 Prozent) und behandelbare Erkrankungen, die bei rechtzeitiger Versorgung überlebbar gewesen wären (23 Prozent). Die häufigste einzelne Ursache ist die koronare Herzkrankheit, also die Verengung der Herzarterien durch Ablagerungen, die zu Herzinfarkten führen kann. Sie steht für 9,4 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle und gilt gleichzeitig als verhütbar und behandelbar. Lungenkrebs, in der Regel eng mit Tabakkonsum verbunden, folgt mit 8,2 Prozent. Darmkrebs kommt auf 3,5 Prozent.
Selbst dort, wo Versorgung vorhanden und bezahlbar wäre, nutzen viele Menschen sie nicht. 3,8 Prozent der EU-Bevölkerung ab 16 Jahren gaben 2024 an, in den vorangegangenen zwölf Monaten eine medizinische Untersuchung oder Behandlung gebraucht zu haben, ohne sie zu bekommen. Der am häufigsten genannte Grund waren lange Wartezeiten, die für etwas mehr als ein Drittel aller ungenutzten Behandlungen verantwortlich sind. Zu hohe Kosten standen hinter rund einem Viertel der Fälle. Rund 10 Prozent hofften schlicht, das Problem löse sich von selbst. Auch hier variieren die Zahlen stark zwischen den Ländern: In manchen Mitgliedstaaten ist unerfüllter Behandlungsbedarf aufgrund von Kosten kaum ein Thema, anderswo ist er ein strukturelles Problem.
Zusammen beschreiben diese drei Befunde ein Gesundheitssystem, das vor allem dann greift, wenn Menschen bereits krank sind. Stärker in Früherkennung und Vorsorge zu investieren wäre kein rein medizinisches Argument, sondern auch ein wirtschaftliches: Teure Spätbehandlungen lassen sich durch rechtzeitige Eingriffe oft vermeiden. Die EU-Initiativen der vergangenen Jahre, darunter der Europäische Krebsaktionsplan und die Europäische Gesundheitsunion, setzen genau dort an. Ob sie die Ausgabenstrukturen tatsächlich verschieben, werden die Daten der kommenden Jahre zeigen.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Health and well-being in the EU: Investing where it matters“, veröffentlicht am 15. September 2025 auf data.europa.eu.
Quellen: Eurostat, Gesundheitsausgaben nach Leistungsart 2022 | Eurostat, Todesursachen und vermeidbare Sterblichkeit unter 75 Jahren 2022 | Eurostat, Selbstberichtete unerfüllte Gesundheitsbedürfnisse 2024
Von Europe Direct Vilstal| 16. Juni 2026
Im EU-Durchschnitt werden Menschen heute rund 81 Jahre alt. Davon verbringen sie etwa 63 Jahre ohne dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen. Die Differenz von ungefähr 18 Jahren beschreibt einen Lebensabschnitt, in dem viele Menschen zwar noch leben, aber mit Einschränkungen. In Dänemark beträgt diese Spanne sogar rund 26 Jahre, in Bulgarien etwa 7. Das ist der Rahmen, in dem die demografische Debatte eigentlich geführt werden müsste: weniger als Frage, wie alt Europa wird, sondern wie gesund.
Europa altert. Das ist kein neuer Befund, aber die Daten, die data.europa.eu im März 2026 auf Basis von Eurostat-Zahlen aufbereitet hat, geben diesem bekannten Trend Kontur. Seit 1960 ist die EU-Bevölkerung von rund 355 Millionen auf etwa 450 Millionen gewachsen. Laut Basisprojektion wird sie in den kommenden Jahren ihren Höhepunkt erreichen und bis 2100 auf rund 416 Millionen sinken. Entscheidend dabei ist: Wie viele Menschen in der EU leben werden, hängt stark von der Migration ab. Wie alt die Bevölkerung sein wird, dagegen kaum, denn in allen Szenarien verschiebt sich die Altersstruktur in dieselbe Richtung.
Die Gruppe der über 80-Jährigen wächst am schnellsten. Heute macht sie einen kleinen Teil der Gesamtbevölkerung aus, bis 2100 soll sie laut Basisprojektion rund 15 Prozent erreichen. Gleichzeitig schrumpfen die jüngeren Altersgruppen, und der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter geht zurück. Bereits heute ist etwa jeder Fünfte in der EU 65 Jahre oder älter.
Innerhalb der EU verläuft dieser Wandel sehr ungleich, und das nicht nur zwischen Ländern, sondern zwischen Regionen. Ein hilfreicher Indikator dafür ist das Verhältnis älterer Menschen zur arbeitsfähigen Bevölkerung: Wie viele Menschen über 65 kommen auf 100 Menschen zwischen 20 und 64 Jahren? In manchen ländlichen Regionen, darunter Teile Ostdeutschlands, Nordportugals, Zentralgriechenlands oder der belgischen Küste, liegt diese Zahl bei rund 70. Großstädte und Hauptstadtregionen zeigen ein ganz anderes Bild. Kopenhagen etwa kommt auf einen Wert von 17,8, ein Unterschied, der mit Binnenmigration und der Konzentration junger Erwachsener in urbanen Zentren zusammenhängt.
Zurück zur Gesundheitsfrage: Frauen leben im EU-Schnitt länger als Männer, 84 gegenüber 78,7 Jahren. Die Zahl der Jahre, die beide Geschlechter ohne dauerhafte Einschränkungen verbringen, ist dagegen nahezu gleich: 63,3 zu 62,8. Das heißt, ein größerer Anteil des längeren Lebens von Frauen fällt in einen Zeitraum mit gesundheitlichen Einschränkungen. In einzelnen Mitgliedstaaten liegt die gesunde Lebenserwartung von Frauen sogar unter der der Männer, trotz längerer Gesamtlebensdauer.
Länger leben bedeutet also nicht automatisch gesünder leben. Spanien hat mit 85 Jahren die höchste Lebenserwartung in der EU, Lettland mit 74,5 Jahren die niedrigste. Wie viele dieser Jahre in guter Gesundheit verbracht werden, folgt dabei keiner einfachen Logik. Reiche Länder haben nicht zwangsläufig die größte Lücke zwischen Lebenserwartung und gesunden Lebensjahren. Dänemark, mit einer der höchsten Lebenserwartungen, hat gleichzeitig eine der größten Lücken.
Diese Daten beschreiben eine Herausforderung, die weit über Rentensysteme und Pflegekapazitäten hinausgeht. Wie Gesellschaften mit einer älter werdenden Bevölkerung umgehen, in der Gesundheitsversorgung, in der Stadtplanung, in der Arbeitswelt, ist eine der zentralen politischen Fragen der kommenden Jahrzehnte. In Niederbayern, einer Region mit ausgeprägt ländlicher Struktur, stellen sich viele dieser Fragen früher und konkreter als anderswo.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „An ageing Europe: what the data tells us“, veröffentlicht am 19. März 2026 auf data.europa.eu.
Quellen: Eurostat – Bevölkerungsentwicklung und -projektionen, über European Data Portal | Eurostat – Altersabhängigkeitsquoten nach NUTS-3-Regionen, über European Data Portal | Eurostat – Lebenserwartung und gesunde Lebensjahre bei der Geburt, über European Data Portal | data.europa.eu – „An ageing Europe: what the data tells us“, 19. März 2026
Demokratie & Digitales
Von Europe Direct Vilstal | 16. Juni 2026
67 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger nutzen soziale Medien. Das ist der aktuelle Stand laut Eurostat – und er markiert das vorläufige Ende einer Entwicklung, die vor einem Jahrzehnt noch ganz anders aussah. 2015 lag dieser Anteil bei 48 Prozent. Parallel dazu haben Unternehmen in der EU aufgeholt: 2015 nutzten 37 Prozent von ihnen soziale Plattformen, heute sind es 64 Prozent. Der Abstand zwischen Privatpersonen und Unternehmen ist damit nahezu verschwunden.
Unter den Mitgliedstaaten gibt es erhebliche Unterschiede. In Dänemark nutzen 90 Prozent der Bevölkerung soziale Medien, in Italien sind es 56 Prozent. Bei Unternehmen reicht die Spanne von 88 Prozent in Malta bis 42 Prozent in Bulgarien. In Rumänien nutzen 80 Prozent der Menschen soziale Medien, aber nur 48 Prozent der Unternehmen – eine der größten Lücken im EU-Vergleich.
Das Fernsehen ist nach wie vor die meistgenutzte Nachrichtenquelle in der EU – 71 Prozent der Befragten geben an, sich dort über politische und gesellschaftliche Themen zu informieren. Radio (43 Prozent) und gedruckte Zeitungen (41 Prozent) folgen. Soziale Medien und Suchmaschinen kommen jeweils auf rund 40 Prozent. Deutschland gehört zu einer Gruppe von Ländern, die einen breiten Medienmix pflegen: hoher Konsum traditioneller Quellen kombiniert mit digitaler Nutzung auf oder über EU-Durchschnitt.
Besonders aufschlussreich wird die Datenstory, wenn sie nach Altersgruppen aufschlüsselt. Rund zwei Drittel der 15- bis 24-Jährigen in der EU nutzen soziale Medien als Nachrichtenquelle – bei den über 55-Jährigen ist es etwa ein Viertel. Instagram und TikTok sind stark in jüngeren Altersgruppen verankert. Facebook zeigt den umgekehrten Verlauf: Es ist die meistgenutzte Plattform bei den 40- bis 54-Jährigen und bei den über 55-Jährigen.
Über alle Altersgruppen hinweg überwiegt das passive Lesen und Anschauen – aktives Kommentieren oder Posten bleibt eine Minderheit. Mit steigendem Alter steigt der Anteil derer, die soziale Medien zwar nutzen, aber gar nicht mit Inhalten interagieren: Bei den 15- bis 24-Jährigen sind das 14 Prozent, bei den über 55-Jährigen 41 Prozent.
Für Organisationen, die Bürgerinnen und Bürger über europäische Themen informieren wollen, liefern diese Daten konkrete Orientierung. Je nach Altersgruppe braucht es andere Kanäle, andere Formate, andere Aufbereitung. Informationsangebote, die verschiedene Kanäle gleichzeitig bespielen, haben die größere Reichweite.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Social media use in the EU: From countries to generations“, veröffentlicht am 10. Juni 2026 auf data.europa.eu.
Quellen: Eurostat – Nutzung sozialer Medien durch Einzelpersonen und Unternehmen in der EU | Eurobarometer – Mediennutzung für politische und gesellschaftliche Nachrichten in EU-Mitgliedstaaten | data.europa.eu – „Social media use in the EU: From countries to generations“, 10. Juni 2026.
Von Europe Direct Vilstal | 16. Juni 2026
In Ungarn gibt mehr als die Hälfte der Bevölkerung an, regelmäßig mit Desinformation konfrontiert zu werden. In Finnland sagt das nur etwa jeder Vierte. Das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Falsches zu erkennen, ist in beiden Ländern trotzdem ähnlich hoch. Dieser Befund aus der Eurobarometer-Erhebung, die data.europa.eu im April 2026 auswertete, lässt sich kaum einfach erklären – und das ist vielleicht auch gar nicht nötig. Interessanter ist, was Menschen tatsächlich tun, wenn sie zweifeln.
Zunächst eine Unterscheidung, die im Alltag oft verwischt: Misinformation bezeichnet falsche Informationen, die ohne schädigende Absicht kursieren – ein veralteter Artikel, der neu geteilt wird, eine Verwechslung, die sich verbreitet. Desinformation ist gezielt: absichtlich verbreitet, um zu täuschen oder zu manipulieren, im politisch folgenreichsten Fall, um Wahlen zu beeinflussen. Die EU behandelt das als strukturelles Risiko für die Demokratie und arbeitet unter anderem mit Plattformen zusammen, um koordinierte Desinformationskampagnen gezielter zurückzudrängen.
Die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten sind beträchtlich. In Malta geben weniger als 15 Prozent an, sich beim Erkennen von Desinformation unsicher zu fühlen. In Polen sind es 45 Prozent. Ob das tatsächlich unterschiedliche Kompetenzen widerspiegelt oder unterschiedliche Selbstwahrnehmung, lässt sich aus diesen Daten allein kaum bestimmen.
Was die Zahlen deutlich machen: Die meisten EU-Bürgerinnen und -Bürger reagieren aktiv, wenn sie zweifeln. Fast die Hälfte gleicht verdächtige Inhalte mit anderen Quellen ab – in nahezu allen Mitgliedstaaten die häufigste Strategie. Rund 40 Prozent prüfen, ob die Quelle eines Beitrags verlässlich ist, etwas über ein Drittel schaut, ob die Information noch aktuell ist oder ob ein älterer Artikel aus dem Zusammenhang gerissen erneut geteilt wurde.
Eine weniger erwartbare Methode rangiert in zehn Mitgliedstaaten ebenfalls weit oben: das Lesen der Kommentarsektion. Forschung von Stöckel et al. (2025) zeigt, dass sachliche Korrekturen in Kommentaren Wirkung haben – andere Nutzende lassen sich dadurch tatsächlich in ihrer Einschätzung beeinflussen. Wer eine Falschinformation erkennt und einen korrigierenden Kommentar schreibt, tut damit mehr als eine persönliche Klarstellung. Der Effekt gilt allerdings in beide Richtungen: Kritische Kommentare können auch korrekte Informationen zweifelhaft erscheinen lassen. Kommentarsektionen liefern Hinweise, keine Urteile.
Beim Gegenprüfen empfiehlt die Forschungslage außerdem Zurückhaltung gegenüber KI-Sprachmodellen. Studien zeigen, dass Systeme wie ChatGPT bei kontextspezifischen Fragen zu überzeugend klingenden, aber inhaltlich ungenauen Antworten neigen können – ein Risiko, das genau dann relevant wird, wenn man etwas schnell verifizieren will.
36 Prozent der EU-Bevölkerung begegnen Desinformation nach eigenen Angaben oft oder sehr oft. Fast ein Drittel fühlt sich beim Erkennen nicht sicher. Beides zusammen beschreibt weniger eine Krise als einen Normalzustand, mit dem Gesellschaften gerade erst lernen umzugehen.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Spotting disinformation: How confident are Europeans in a digital age?“, veröffentlicht am 7. April 2026 auf data.europa.eu.
Quellen: Europäisches Parlament – Flash Eurobarometer FL014EP: Social Media Survey 2025 (über data.europa.eu) | Stöckel et al. (2025): „The power of the crowd: How the public can both spoil and improve social media as a source of information“, Elements in Experimental Political Science, Cambridge University Press | Simon, Fletcher & Nielsen (2024): „How generative AI chatbots responded to questions about the 2024 UK general election“, Reuters Institute for the Study of Journalism | Danry et al. (2025): „Deceptive explanations by large language models“, CHI 2025 | data.europa.eu – „Spotting disinformation: How confident are Europeans in a digital age?“, 7. April 2026
Wohnen & Mobilität
Von Europe Direct Vilstal| 16. Juni 2026
Nur etwa jeder zehnte EU-Bürger nennt die Umweltauswirkungen einer Reise als entscheidenden Faktor bei der Verkehrsmittelwahl. Das ist einer der aufschlussreichsten Befunde aus einer Datenstory, die data.europa.eu im Februar 2026 auf Basis von Eurobarometer- und Eurostat-Daten veröffentlicht hat. Nicht weil er überrascht, sondern weil er zeigt, wie groß der Abstand zwischen gesellschaftlichem Bewusstsein und tatsächlichem Verhalten noch ist.
Der wichtigste Faktor bei längeren Reisen, also ab 50 Kilometern, ist laut der Erhebung der Preis: 61 Prozent der Befragten nennen ihn als ausschlaggebend. Reisezeit folgt mit 47 Prozent, Abfahrts- und Ankunftszeiten mit 36 Prozent, Komfort mit 29 Prozent. Das erklärt auch, warum das Auto nach wie vor das meistgenutzte Verkehrsmittel für längere Strecken ist: 82 Prozent der Befragten geben an, es in den vergangenen zwei Jahren für solche Fahrten genutzt zu haben. Züge kommen auf 53 Prozent, Flugzeuge auf 37 Prozent, Reisebusse auf 31 Prozent.
Wie viel Menschen für ihre Mobilität ausgeben, variiert stark. Im EU-Durchschnitt fließen 12,7 Prozent des Haushaltsbudgets in Transport, das ist nach Wohnen und Ernährung die drittgrößte Ausgabenposition. In Slowenien liegt dieser Anteil bei rund 17 Prozent, in der Slowakei bei 6 Prozent. Der größte Teil dieser Ausgaben entfällt in den meisten Ländern auf den privaten Pkw: Kauf, Kraftstoff, Wartung. In Bulgarien, Griechenland, Malta und Rumänien fließt dagegen ein vergleichsweise größerer Anteil in öffentliche Verkehrsmittel und Personenbeförderung, was auf eine geringere Abhängigkeit vom eigenen Fahrzeug hindeutet. Griechenland sticht zudem durch einen ungewöhnlich hohen Anteil an Ausgaben für den Transport von Gütern hervor, unter anderem wegen der Inselstruktur des Landes.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Entwicklung bei Elektroautos an Bedeutung. 2010 wurden in der EU weniger als 1.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. 2024 waren es rund 2,2 Millionen. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen stieg von rund 3 Prozent im Jahr 2019 auf 21 Prozent im Jahr 2024. Allerdings sank dieser Anteil gegenüber dem Vorjahr um etwa zwei Prozentpunkte, der Anstieg verläuft also nicht gleichmäßig. Benzin- und Dieselfahrzeuge machen mit rund 79 Prozent immer noch den weit überwiegenden Teil der Neuzulassungen aus.
Die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten sind beträchtlich. In Dänemark, Finnland und Schweden lag der Anteil von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen an den Neuzulassungen 2024 bei über 50 Prozent, deutlich über dem EU-Schnitt. Norwegen, kein EU-Mitglied, zeigt dabei, wie weit diese Entwicklung gehen kann: Dort waren es 2024 fast 90 Prozent. In mehreren osteuropäischen Ländern hingegen spielen Elektrofahrzeuge bei Neuzulassungen bislang kaum eine Rolle.
Für Regionen wie Niederbayern, die stark auf den privaten Pkw angewiesen sind und gleichzeitig vor der Frage stehen, wie ländliche Mobilität zukunftsfähig gestaltet werden kann, sind diese EU-weiten Daten ein nützlicher Referenzrahmen. Sie zeigen, dass die Herausforderungen Niederbayerns keine spezifisch bayerischen sind, sondern sich durch viele ähnlich strukturierte Regionen in Europa ziehen.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Mobility in Europe: What open data shows about travel patterns“, veröffentlicht am 25. Februar 2026 auf data.europa.eu.
Quellen: Eurobarometer 2024, über European Data Portal | Eurostat, Haushaltskonsumausgaben für Transport, über European Data Portal | Europäische Umweltagentur (EEA), Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen 2010–2024 | data.europa.eu, „Mobility in Europe: What open data shows about travel patterns“, 25. Februar 2026
Von Europe Direct Vilstal | 12. Juni 2026
9 Prozent der Menschen in der EU konnten sich 2024 keine ausreichende Heizung leisten. In Bulgarien, Griechenland und Litauen lag dieser Anteil bei fast 20 Prozent. Das ist kein abstraktes Armutsproblem, sondern eine konkrete Wohnfrage: Wer in einer schlecht gedämmten Wohnung mit alten Heizungsanlagen lebt und sich steigende Energiepreise nicht leisten kann, leidet nicht nur an Kälte, sondern auch an den gesundheitlichen und sozialen Folgen. Diese Dimension des Wohnens kommt in der europäischen Debatte häufig zu kurz.
Die Datenstory, die data.europa.eu im Dezember 2025 auf Basis von Eurostat-Daten veröffentlicht hat, zeichnet ein breites Bild der Wohnsituation in der EU: Preise, Eigentümerquoten, Mietentwicklungen und Energieeffizienz. Zusammen ergeben die Daten ein Bild, das deutlich sozialer ist, als es die übliche Diskussion um Quadratmeterpreise vermuten lässt.
Zwischen 2015 und 2024 sind die durchschnittlichen Immobilienpreise in der EU um 58 Prozent gestiegen. In acht Mitgliedstaaten hat sich der Preis mehr als verdoppelt, in Ungarn sogar mehr als verdreifacht. In einigen Ländern, darunter Zypern und Italien, blieb der Anstieg unter der allgemeinen Inflation, in Finnland bewegten sich die Preise kaum. In vielen Staaten fand der größte Anstieg vor 2021 statt, gefolgt von einer Stabilisierungsphase. Günstig ist das Wohnen dennoch in den wenigsten Ländern geworden.
Aussagekräftiger als reine Preissteigerungen ist der Anteil der Menschen, die mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgeben. Im EU-Schnitt sind das 8 Prozent. In Griechenland aber liegt dieser Wert bei 29 Prozent, also fast einem Drittel der Bevölkerung. Auch wohlhabendere Länder sind betroffen: In Dänemark geben 14,6 Prozent mehr als zwei Fünftel ihres Einkommens für Wohnen aus. Am niedrigsten sind die Belastungsquoten in Slowenien, Kroatien und Zypern.
Wer keine Wohnung kaufen kann oder will, mietet. Dieser Anteil wächst. Zwischen 2014 und 2024 stieg der Mieteranteil in den meisten Mitgliedstaaten. Die stärksten Zunahmen verzeichneten Malta und Luxemburg mit fast 12 beziehungsweise 9 Prozentpunkten. Gleichzeitig ist Wohneigentum in einigen Ländern weiterhin die klar dominierende Form: In Rumänien, der Slowakei, Ungarn und Kroatien leben mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden, ein Erbe der Massenprivatisierungen öffentlicher Wohnungsbestände in den 1990er Jahren. In Deutschland und Österreich hingegen, beides Länder mit stabilen Mietmärkten und starkem Mieterschutz, liegt die Eigentumsquote bei 47 beziehungsweise 55 Prozent.
Zurück zur Energiefrage: Renovierungen, die den Energieverbrauch senken, wären für viele Haushalte eine direkte finanzielle Entlastung. Die Daten zeigen jedoch, dass genau jene, die am meisten davon profitieren würden, am seltensten Zugang dazu haben. Von den Menschen, die armutsgefährdet sind, lebten 2023 nur 18 Prozent in einem Zuhause, das in den vorangegangenen fünf Jahren energetisch verbessert worden war. Bei nicht armutsgefährdeten Haushalten waren es 28 Prozent. In den Niederlanden wurden in rund 59 Prozent aller Wohnungen Verbesserungen vorgenommen, in Estland in 47 Prozent. In Malta, Griechenland und Spanien lagen die Werte bei 8 bis 15 Prozent.
In diesem Muster spiegelt sich eine grundlegende Schwäche der bisherigen Wohnungspolitik: Die Energiewende im Gebäudebereich erreicht überwiegend jene, die ohnehin besser gestellt sind. Ob das Europäische Programm für erschwinglichen Wohnraum, das Kommissionspräsidentin von der Leyen 2025 angekündigt hat, daran etwas ändert, werden die kommenden Jahre zeigen. Die Datenlage macht zumindest klar, wo der Handlungsbedarf am größten ist.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Exploring housing trends with open data“, veröffentlicht am 3. Dezember 2025 auf data.europa.eu.
Quellen: Eurostat, Hauspreisindex 2015–2024 | Eurostat, Wohnkostenbelastungsquote 2024 | Eurostat, Eigentümer- und Mieterquoten 2014–2024 | Eurostat, Energieeffizienz und Heizkosten 2023–2024.
Bildung & Jugend
Von Europe Direct Vilstal | 10. Juni 2026
1987 nahmen 3.200 Studierende am ersten Erasmus-Programm teil. 2024 waren es 1,4 Millionen Menschen. Diese Zahl allein beschreibt die Größenordnung des Wandels, den data.europa.eu im Januar 2026 in einer Datenstory auf Basis von Daten der Europäischen Kommission nachgezeichnet hat. Erasmus ist längst kein Studierendenprogramm mehr, auch wenn es im kollektiven Gedächtnis oft noch so wahrgenommen wird.
Der Anstieg der Teilnehmerzahlen verlief dabei keineswegs gleichmäßig. Nach dem Start von Erasmus+ im Jahr 2014 wuchs die Beteiligung von 259.000 auf 1,44 Millionen im Jahr 2024. Den einzigen ernsthaften Einbruch brachte die Corona-Pandemie: 2020 fiel die Zahl auf 367.000. Schon 2022 waren die Werte wieder auf Vorkrisenniveau, seit 2023 liegen sie darüber. Im November 2025 schlug die Europäische Kommission vor, Erasmus+ bis 2034 zu verlängern und das Budget deutlich aufzustocken.
Wer teilnimmt, ist seit Jahren konstant: Frauen stellen rund 60 Prozent der Teilnehmenden, Männer rund 40 Prozent. Diese Verteilung hat sich seit 2014 kaum verändert und spiegelt einen breiteren Trend in der europäischen Hochschulbildung wider, wo ebenfalls 58 Prozent der Absolventen weiblich sind. Seit 2020 wird zusätzlich eine Kategorie für Personen erfasst, die sich weder als männlich noch weiblich identifizieren. Ihr Anteil stieg von null auf 9 Prozent im Jahr 2024.
Geografisch zeigt das Programm interessante Asymmetrien. Die meisten Teilnehmenden kommen aus Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich, die auch die beliebtesten Zielländer sind. Die Richtungen sind dabei alles andere als ausgeglichen: Während Deutschland, Frankreich, Polen und Rumänien mehr Programmteilnehmende aufnehmen als sie entsenden, schicken Spanien, Portugal, Irland, Malta und Zypern mehr Menschen ins Ausland als sie empfangen. Irland ist ein besonders markantes Beispiel für Konzentration: 56 Prozent der irischen Teilnehmenden zieht es in nur drei Länder, Frankreich, Deutschland und Italien. Kleinere Länder wie Litauen und Kroatien hingegen empfangen Teilnehmende aus einer besonders großen Vielfalt an Herkunftsländern.
Was die Menschen im Ausland tun, hat sich seit 2014 grundlegend gewandelt. Zu Beginn dominierten Hochschulaufenthalte das Programm, das klassische Auslandssemester. Ab 2015 wuchsen weitere Bereiche spürbar: Schüleraustausche und Fortbildungen für Lehrpersonal, Jugendbegegnungen, Berufsausbildungsaufenthalte für Auszubildende. Seit 2023 gehört auch Sport dazu, noch auf kleiner Flamme. Heute verteilen sich die 1,4 Millionen Teilnehmenden auf diese verschiedenen Bereiche, wobei die Hochschulmobilität mengenmäßig noch immer vorne liegt, ihren absoluten Dominanzanspruch aber verloren hat.
Für Europe Direct Niederbayern ist Erasmus+ ein Thema, das über Zahlen hinausgeht. Wer in der Region Fragen zu Auslandsaufenthalten hat, Praktika im europäischen Ausland plant oder als Lehrkraft, Ausbildungsbetrieb oder Jugendbetreuer Fördermöglichkeiten sucht, findet bei uns Orientierung und Weiterleitung zu den richtigen Anlaufstellen.
Dieser Artikel basiert auf der Datenstory „Crossing Borders, Finding Futures: Inside Erasmus+ Mobility“, veröffentlicht am 20. Januar 2026 auf data.europa.eu.
Quellen: Europäische Kommission, Erasmus+ Teilnehmerdaten 2014–2024, über European Data Portal | data.europa.eu, „Crossing Borders, Finding Futures: Inside Erasmus+ Mobility“, 20. Januar 2026
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